07.05.2019 Rheinische Post, Carolin Hain

„Essen auf Rädern“ wird 50 Jahre alt

Das Awo-Projekt hat inzwischen 200 Kunden in Langenfeld und Monheim. Mindestalter ist 75.

RP-Foto: Ralph Matzerath

Vor 50 Jahren hat die Arbeiterwohlfahrt das Projekt „Essen auf Rädern“ ins Leben gerufen. Damit werden vor allem Senioren ab 75 Jahren und in Sonderfällen auch Menschen mit Behinderung oder Pflegestufe mit Mahlzeiten versorgt. Die Kunden können aus verschiedenen Menüs auswählen und bekommen dann ihr Essen nach Hause geliefert. Die Speisen werden kurz vor der Auslieferung zubereitet und während des Transports warm gehalten. Mittlerweile beliefert die Awo in Langenfeld und Monheim 200 Kunden.

Marion Fuhrmann (60), eine Büro-Mitarbeiterin, ist seit drei Jahren dabei. Oft werde die Awo von der Stadt, von Sozialdiensten, aber vor allem von Angehörigen angesprochen.  „Wenn wir die Menschen beliefern, gucken wir auch, wie es ihnen geht. Und wenn uns etwas komisch vorkommt, dann informieren wir auch schon mal die Angehörigen,“ erzählt Fuhrmann. Daher sollte bei der Anmeldung auch eine Notfallnummer eines Angehörigen angegeben werden.

Klaus Böntgen (65) ist schon seit zehn Jahren im Büro und als Fahrer aktiv. „Bei vielen Kunden sind wir und der Pflegedienst oft der einzige Kontakt, den sie am Tag haben. Wir liefern auch an viele Alleinstehende aus. Dann kommen die Menschen auch viel zum Reden. Meistens haben wir dann Zeitprobleme, weil wir auch so gerne mit den Kunden sprechen,“ sagt er lachend. Man merkt ihm an, dass er diese Arbeit mit Herzblut macht.

Es wird 365 Tage im Jahr ausgeliefert, das bedeutet für die Fahrer – sie müssen auch an den Wochenenden und an Feiertagen arbeiten – zu einem geringen Lohn und zum Teil sogar ehrenamtlich. Für Böntgen ist dieser Aspekt eher Nebensache: „Diese Herzlichkeit, die man von den Menschen zurückbekommt, ist für mich goldwert.“ In den zehn Jahren Mitarbeit hat Klaus Böntgen auch ein paar Anekdoten gesammelt. „Eine Frau rief einmal bei uns an und wollte für ihre Mutter Essen bestellen. Wenig später rief sie nochmal an und sagte, dass ihre Mutter doch nicht wollte, aber sie selber hätte Interesse. Dann erklärte ich ihr, dass wir in der Regel nur Senioren ab 75 beliefern und fragte sie nach Ihrem Alter. Die Frau war 79 Jahre alt und ihre Mutter 99 Jahren, aber die wollte noch selber kochen.“

Auf Herzlichkeit werde auch bei der Auswahl der Fahrer geachtet. Ein paar nette Worte sollten jedem Kunden entgegengebracht werden. Die Fahrer werden auch besonders geschult, um sensibel mit Krankheiten wie Demenz umgehen zu können. Oft werde die Awo aber auch von besorgten Angehörigen kontaktiert. In solchen Fällen agieren die Mitarbeiter auch gerne mal als Seelentröster und Berater. Um den Lieferdienst in Anspruch nehmen zu können, muss man nur einen Tag vorher zwischen 10 und 11 Uhr bei der Awo anrufen, dann wird alles Weitere besprochen und bereits am nächsten Tag kann das Essen entgegengenommen werden. Für kleine Arbeiten rund ums Haus hat die Awo das Projekt „Hausmeister on Tour“ ins Leben gerufen. Dieser Helfer soll bei kleinen Arbeiten im Haus, aber auch bei der Gartenarbeit helfen.