30.11.2016 Wochenpost

Mit schwierigem Thema auf gutem Weg

10 Jahre AWO-Informationsstelle für Vorsorgevollmachten und Patientenverfügungen: Ein kompetentes Trio klärt auf

»Mut zur Vorsorge« lautet hier das Motto. Denn Mut brauchen Menschen, um sich mit dem Gedanken zu beschäftigen, dass sie eines Tages nicht mehr in der Lage sein könnten, eigene Entscheidungen zu treffen. Was zu tun ist, bevor ein tragischer Unfall oder eine schwere Krankheit die eigene Handlungsfähigkeit beendet, wissen Jutta Eckerkunst, Uschi Krehut und Harald Königshoven. Im Auftrag der AWO arbeitet das Trio in der Langenfelder Informationsstelle für Vorsorgevollmachten und Patientenverfügungen, die jetzt ihr zehnjähriges Bestehen feierte.

Jutta Eckerkunst sorgt seit dem Start der Beratungsstelle für Aufklärung und weiß genau, was Menschen daran hindert, das Angebot anzunehmen. »Es ist die Angst, sich mit seinem eigenen Ende auseinanderzusetzen«, sagt die Frau, die zusammen mit ihren beiden Teammitgliedern einen Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten der Vorsorge bietet. Neben dem Infomaterial, das in den Begegnungsstätten der AWO bereitliegt, hält das Trio dreimal pro Monat kostenlose Vorträge zum Thema. »Dabei informieren wir in anderthalb Stunden mit einfach Worten«, so Jutta­ Eckerkunst. Denn zu verstehen, was hinter den angsteinflößend sperrigen Begriffen »Vorsorgevoll­macht« und »Patienten­verfügung« steckt, sei »einfacher als man denkt«. Nach den Beratungen sollte jeder Teilnehmer wissen, was er tun könnte.

Im schlimmsten Fall entscheidet ein Fremder über persönliche Dinge

Am Anfang jeder Beratung steht das Thema Vorsorgevollmacht. »Damit beauftrage ich jemanden, der für mich tätig werden kann«, erklärt Harald Königshoven. Viele würden glauben, dass im schlimmsten Fall der Ehepartner wichtige Entscheidungen treffen darf. »Der kann aber nicht automatisch für einen sprechen«, betont der Ehrenamtler. Wichtig sei, dass man eine »Person des Vertrauens« schriftlich festlegt. Und das müsse eben auch für den Ehepartner erledigt werden.

»Wer diese Vorsorge­ nicht getroffen hat, kommt im schlimmsten Fall in eine gesetzliche Betreuung, in der ein fremder Mensch die persönlichen Dinge erledigt«, erläutert Uschi Krehut. Das betreffe zum Beispiel auch die Finanzen. »Wenn man einmal in der gesetzlichen Betreuung ist, ist es ganz schwierig, da wieder herauszukommen«, warnt die Expertin, die in der Beratungsstelle ebenfalls ehrenamtlich tätig ist. Sie selber haben – ganz vorbildlich – längst alles Nötige erledigt, sagen Eckerkunst, Krehut und Königshoven. Und auch die erwachsenen Kinder seien motiviert worden, mutig zu sein. 

»Jeder Volljährige sollte sich mit dem Thema beschäftigen«

»Wir sind auf einem guten Weg«, sagt Jutta Eckerkunst auf die Frage, wie sich das Bewusstsein der Menschen für das schwierige Thema entwickelt hat. »Vor zehn Jahren war es überhaupt noch nicht bekannt.« Heute würden in der Regel um die 20 Personen zu den Vorträgen kommen. In der Regel seien diese vom »älteren Semester«, wie Harald Königshoven sagt. Jedoch freue sich das Trio immer wieder auch über jüngere Interessierte. »Sie kommen teilweise dazu, um sich das Wissen für ihre Eltern anzueignen«, so Königshoven. »Wenn sie dann die Wichtigkeit erkannt haben, schleppen sie beim nächsten Mal ihre Eltern mit.« Aber auch der umgekehrte Fall komme vor. Das sei gut, denn der Mut zur Überwindung ist grundsätzlich nicht nur für Ältere ratsam. »Im Endeffekt sollte sich jeder Volljährige mit dem Thema beschäftigen.«

 

TERMINE

Die nächsten Vorträge finden am kommenden Dienstag, 6. Dezember, um 15.30 Uhr im Karl-Schröder-Haus und am 13. Dezember um 15 Uhr sowie am 20. Dezember um 18 Uhr­ im Siegfried-Dißmann-Haus statt. Auch Sondertermine, zum Beispiel für Firmen, bietet das Team auf Wunsch an. Kontakt telefonisch unter 02173.3992485 oder per E-Mail an jutta.eckerkunst@awo-niederrhein.de.